was wir von der Natur lernen können

„Biokybernetik“

Was wir von der Natur lernen können

Achtung! Dieser ziemlich lange Artikel könnte dein Leben verändern!

Ein Selbst-Coaching-Experiment für dich

„Kybernetik“ kommt aus dem griechischen und bedeutet „Steuermannskunst“.

Bei der Biokybernetik geht es also um Steuerungs- und Regelungsprozesse in biologischen Systemen.

In der Natur gibt es unzählige dieser Regelungsprozesse oder Wirkmechanismen, die die Abläufe auf unserem Planeten regeln. Diese sind von der Grundstruktur immer gleich, ob wir uns nun in der Wüste, der Arktis, oder im Spessart befinden.

Ein paar dieser Wirkmechanismen stelle ich dir heute vor. 

Klee wächst auch auf einem alten Baumstamm.

Das Interessante an diesen „Steuerungsvorgängen“ ist, dass sie unglaublich effektiv und dabei perfekt nachhaltig sind. 

In diesem Artikel schauen wir uns diese Prinzipien etwas genauer an und überlegen, wie wir diese eventuell in unserem Business oder in unseren persönlichen Entscheidungen anwenden könnten. Wenn wir unser Handeln den natürlichen Prozessen anpassen, profitieren wir auf vielfältige Weise davon. 

Zu jedem vorgestellten Regelungsprozess oder Wirkprinzip habe ich mir ein paar Fragen einfallen lassen, die dir helfen können, darüber nachzudenken, wie es für DICH zur Anwendung kommen kann. 

Weiterhin, kann uns die Anwendung der natürlichen Wirkprinzipien letztendlich davor bewahren, den Ast auf dem wir sitzen, abzuschneiden. Also, wenn wir arbeiten wie die Natur, haben wir eine echte Chance, die Ökosysteme, nicht zu zerstören, die unseren menschlichen Fortbestand sichern. „Added bonus“, sozusagen…

Das wichtigste Prinzip der Natur ist die Vernetzung 

Jedes Element in einem komplexen Ökosystem hat seine spezialisierten Eigenschaften, so wie jeder von euch seinen ganz besonderen Charakter hat, und natürlich auch eine ganz eigene Art, zu denken und zu „funktionieren“. 

In der Natur laufen die Prozesse miteinander und in Wechselwirkung ab. Jedes Wesen, jede Pflanze, jedes Bakterium steht in Verbindung mit anderen und alle beeinflussen sich gegenseitig. Linearität ist in der Natur gänzlich unbekannt. Jedes einzelne kleine „Rädchen“ ist wichtig für die Funktion des Ganzen.


Bäume sind übrigens der Inbegriff der Vernetzung. Eine einzelne Eiche ist Lebensraum für etwa 500 verschiedene Tierarten, die ohne sie nicht leben können. Eichen sind in wechselseitiger Kommunikation mit umstehenden Bäumen, dem Myzelium, den Mikroorganismen im Boden und dem Wetter, sowie natürlich den Jahreszeiten.

Der Wald ist ein vernetztes Ökosystem: „gemeinsam als Wald, sind wir stark gegen Wind und Wetter“ 

Die Coaching-Fragen, die sich hieraus ergeben sind:

  • wie kann ich meine Vernetzung mit anderen (Menschen, Dingen, der Natur) erkennen? 
  • Was bedeutet diese Vernetzung für mich? 
  • Was kann ich tun, um meine Vernetzung zu verbessern?
von der Natur lernen
Der Wald bei Bellings
Eine schöne, große Eiche

Vernetzung beinhaltet Wechselwirkungen und Kreisläufe

In der Natur ist alles miteinander in Wechselwirkungen verbunden. Das einfachste Beispiel ist die Biene, die die Blüte bestäubt, während sie sich Nahrung in Form von Nektar beschafft. 

Frederic Vester, der Vater des vernetzten und systemischen Denkens hat folgende Stichworte dazu benannt: Rückkoppelungsprinzip, Regelkreisprinzip und Kreislaufprinzip

Auf das Kreislaufprinzip gehe ich etwas ein, nämlich im Bereich der „Kreislauforientierten Wiederverwertung“

Beispielhaft schauen wir uns einen Kuhfladen an, der als Nahrungsquelle für Milliarden Mikroorganismen und unzählige Insekten ein wahrlich gefundenes Fressen ist. 

Die Mikroorganismen, also die Bakterien, die in Böden leben, auf denen Weidehaltung statt findet, werden eben durch solche „Schmankerl“, wie Kuhfladen genährt und gestärkt. Dieses gesunde Boden-Mikrobiom wirkt sich übrigens positiv auf die CO2-Bilanz aus, weil gesunde Böden CO2 speichern.

(Also, Fleisch essen ist nicht unbedingt schlecht fürs Klima – wenn das Fleisch von Tieren kommt, die in Weidehaltung aufgewachsen sind.) 

Ein Kuhfladen zeigt uns im Rahmen des Kreislauf-Prinzips, dass nichts aber auch gar nichts, „weggeworfen“ oder „entsorgt“ wird. „Reststoffe“ dienen als Nahrung.

Ein weiteres Beispiel sind „tote“ Bäume. Diese sind dienen als Nahrungsquelle für Moose, Insekten und Bakterien, oder als Behausungen für Spechte. Sie liefern Baumaterial für Wespennester, oder werden zu Humus und dienen als Nahrung für junge Bäume.

Einer meiner Nachbarn in Bellings, einem sog. „Kuhdorf“, hat unlängst zu mir gesagt:  „damit Neues entstehen kann, muss das Alte vergehen“ – also umgewandelt werden..

In der Natur gibt es kein nämlich kein „weg“ – wie wir Menschen etwas „wegschmeissen“. 

Wie kannst du wiederverwerten?

Meine Nachbarin
Ein toter Baum – sieht aus wie ein Gerippe…
„three pieces movement“ #3pm – Jeder nimmt drei Stücke Plastik vom Spaziergang mit und bringt es in den Müll.

Anders ist es mit dem, was wir Menschen sehr gerne produzieren und nutzen: Plastik. Selbst, wenn wir unterwegs Plastikmüll aufsammeln, bringen wir dieses üble Zeug nur an eine andere Stelle, bestenfalls zum Recycling: Aber Müll kann unseren Planeten einfach nicht verlassen. Es löst sich leider nicht in Luft auf.

Wer von euch kennt das –„three pieces“ – movement? #3pm

Für mich, macht die Erkenntnis der Vernetzung, des alles-mit-allem-verbunden-seins, den Kopf auf. Es hilft mir, größer zu denken und Komplexität zuzulassen.

Also, lass´ uns zusammen denken, vernetzt denken, und eine weiteres Prinzip entdecken:

Symbiose und Unterstützung

Frederic Vester der die Grundregeln der Biokybernetik aufgestellt hat, definiert Symbiose folgendermaßen: „gegenseitige Nutzung von Verschiedenartigkeit, durch Kopplung und Austausch“ – also nutzbringendes Geben und Nehmen für alle Beteiligten.

Manchmal hilft es etwas zu verstehen, wenn man als Beispiel das Gegenteil davon zeigt.

Hier ein paar negativ-Beispiele aus der Landwirtschaft: Monokultur von Papierholz und Apfelbäume im Südtirol. Ein krasses Bild davon, wie der Mensch tickt: die Fokussierung auf eine Frucht, die gewünscht ist und im Rahmens unseres vereinfachten, linearem denken, angebaut wird. Damit die Apfelbäume gedeihen, werden sie intensiv mit Pestiziden gespritzt und mit extra angelieferten Hummeln bestäubt. 

Hier findet KEINE Symbiose statt!

Holzanbau
Apfelplantage in Südtirol
Wildwuchs

Im Gegensatz dazu, sehen natürliche “ Anpflanzungen“ ganz anders aus.

Hier gibt es die Vielfalt, die die Symbiose und gegenseitige Unterstützung hervorbringt. Seit den 70´er Jahren gibt es die Permakultur-Bewegung, wo Ertragspflanzen, die sich gegenseitig unterstützen, zusammen angebaut werden. 

Ein weiteres tolles Beispiel der Symbiose ist unser Darm: ohne die dort lebenden Bakterien könnten wir keine B- oder K-Vitamine herstellen. Wir geben den Bakterien, dem Mikrobiom, den Lebensraum und wir erhalten dafür lebenswichtige Vitamine.

„Die Natur kennt keine stupiden Monokulturen mit noch stupideren einseitigen Wachstumsstrategien“

Zitat E.W. Udo Küppers aus: E.W. Udo Küppers, Geniale Prinzipien der Natur; Rechnen wir mit der Natur oder die Natur rechnet mit uns (ab), Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2020, S. 315

Wie kannst du mögliche Symbiosen erkennen?

Wir schauen uns noch ein paar weitere Prinzipien der Steuermannskunst der Natur an, die aber eigentlich in den vorher genannten Prinzipien schon enthalten sind, aber im Detail betrachtet, für uns hilfreich sein können: 

Maximale Ergebnisse bei minimalem Aufwand – das „Minimax-Prinzip“

Ausser uns Menschen sind alle Lebewesen auf diesem Planeten so konstituiert, dass sie möglichst sparsam mit ihren Ressourcen umgehen. 

Wenn Löwen z.B. nicht jagen, liegen sie einfach herum und schlafen. Und wenn sie jagen, jagen sie das schwächste Tier aus der Herde und nicht das Stärkste!

Oder Pflanzen, die sich mittels Windbestäubung fortpflanzen, also auch keine Insekten anziehen müssen, bilden keine attraktiven Blüten. Sie bilden jedoch sehr leichte Pollenflugkörper.

Wasser fliesst, ohne besondere Mühe.

Gras muss sich nicht anstrengen, um zu wachsen.

Wie könnt ihr das Minimalprinzip auf eure Situation anwenden?

Wo investiert ihr zuviel (auch finanziellen) Aufwand?

Farn
Mutterschaf und Lamm, ganz entspannt

Harmonische Grundstimmung

Aus dem Minimal- oder Effizienzprinzip ergibt sich auch die Tendenz zu einer harmonischen Grundstimmung. Es ist ganz einfach ineffizient, sich hektisch zu bewegen, sich Sorgen zu machen, oder schnell in Angst und Panik zu geraten.  

Wildtiere befinden sich also meistens in einer Art „Zen-Zustand“. 

Ein schönes Beispiel sind die Murmeltiere: sie fressen Wurzeln, sammeln Nahrung, spielen und dösen. Nur ein paar Tiere aus dem Verband sind als Wächter eingeteilt und pfeifen, wenn Gefahr droht. Wer schon mal in den Alpen gewandert ist, kennt dieses Phänomen vielleicht?

Oder wenn ihr durch den Wald lauft und den Eichelhäher lautstark rufen hört, habt ihr die Alarmglocke des Waldes gehört. Erst wenn diese Warngeräusche zu hören sind, werden die Tiere aufmerksam für eine potentielle Bedrohung.

Bei uns Menschen, ist der Stresslevel sehr oft, künstlich hochgefahren. 

Wir können nicht mehr unterscheiden, ob wir eine reale oder eine eingebildete Bedrohung erleben.

Entsprechend befinden wir uns oft in anhaltenden, kräftezehrenden, alarmbereiten Energiezuständen. …mit entsprechenden Folgen für unsere Gesundheit.

Wie könnt´ ihr euer Unterscheidungsvermögen zwischen realen Bedrohungen und eingebildeten Bedrohungen trainieren?

Qualle

Die richtigen Bedingungen für die jeweiligen Lebewesen

…wer hat schon mal eine Zimmerpflanze gehabt, die nur an einer bestimmten Stelle in der Wohnung gut gewachsten ist?

Jedes Lebewesen hat bestimmte Vorraussetzungen, die es braucht um gesund und erfolgreich zu leben.Die verschiedenen Spezies haben sich über den Lauf der Evolution an die jeweiligen Konditionen angepasst. 

Ist ja klar, in der Wüste leben andere Tiere und Pflanzen als in unseren Wäldern.

Pflanzen an der „falschen“ Stelle im Garten, z.B. Hortensien in der prallen Sonne, haben keine Chance. Sie gehen ein. Oder, das habe ich auch schon gesehen, werden vom Menschen im Sommer aufwendig, mit Sonnenschirm beschattet und müssen ständig gegossen werden. 

Oder aber, die Hortensien werden an eine kühle, schattige, etwas feuchte Stelle gepflanzt und brauchen dort eigentlich gar keine Pflege und wachsen und gedeihen. 

Wie könnt´ ihr ,in diesem Sinne, die richtigen Bedingungen für euch und eure Mitarbeiter herstellen?

Was könnt´ ihr tun, um eure Produkte an die Bedingungen eurer jeweiligen Kunden anzupassen? 

Alles zu seiner Zeit

Wir unterliegen einfach dem Rhythmus der wechselnden Jahreszeiten. Jetzt im Mai, wo das Grün schier explodiert, sehen wir Wachstum.

In den Wintermonaten ist Ruhe angesagt. Null Wachstum. 

Das Verständnis von diesem Prinzip scheint uns Menschen völlig verloren gegangen zu sein. Unser kapitalistisches System beruht auf dem Prinzip des Wachstums. …und der Verneinung, alles zu seiner Zeit zu erleben und zu ernten.

Wir versuchen dieses naturgegebene Phänomen konsequent zu umgehen. Das fängt damit an, dass wir uns selbst kaum Ruhephasen gönnen; Mails werden spät Abends und am Wochenende beantwortet und wir sind permanent ansprechbar, abrufbar.

Wie könnt ihr das Prinzip „Alles zu seiner Zeit“ umsetzen? 

Fliegenpilze

Zusammenfassung:

Wir haben über

  • Vernetzung, statt Linearität
  • Kreisläufe
  • Symbiose und Unterstützung
  • Minimax Prinzip
  • Angepasste Bedingungen
  • Harmonische Grundstimmung
  • Alles zu seiner Zeit

 gesprochen.

Was ist nun, am Ende dieses Artikel, anders für dich als am Anfang? 

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